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30.09.2019

Hält die Erde unser Wirtschaftssystem aus?

Unter der Fragestellung "Hält die Erde unser Wirtschaftssystem aus?", führte die KAB Engers-Mülhofen einen spannenden Bildungsabend über die ökonomischen Ursachen der Naturzerstörung mit Dr. Karathanassis von der Universität Hannover durch.

Gut 45 Zuhörerinnen und Zuhörer waren auf Einladung der KAB Engers-Mülhofen in die Kapelle des Heinrich-Hauses Engers gekommen. Zur Diskussion stand die Frage: „Hält die Erde unser Wirtschaftssystem aus?“ Genauer: Verträgt sich das Kapital mit den Eigengesetzen der Natur und welche Rolle spielt die Arbeit innerhalb dieser beiden Größen? Über diese Problematik referierte lebendig und informativ Dr. Athanasios Karathanassis vom Soziologischen Institut der Universität Hannover.

Einleitend stellte Dr. Karathanassis dar, dass die bisher getroffenen Maßnahmen gegen die Naturzerstörung mit der Folge des Klimawandels nicht ausreichen: Weder internationale Verträge, noch technologische Effizienzsteigerungen oder Renaturierungsmaßnahmen hätten der allgemeinen Naturzerstörung Einhalt gebieten können. Auch die Versuche, das Bevölkerungswachstum im globalen Süden einzudämmen, gingen am eigentlichen Problem vorbei. Verantwortlich für diese fatale Entwicklung machte der Referent, dass die entscheidende Einflussgröße - die kapitalistische Ökonomie - ausgeblendet wird und daher auch die wirklichen Ursachen der Naturzerstörung nicht angegangen werden. Dies verdeutlichte er anhand der unterschiedlichen und widersprüchlichen Eigenlogiken von Kapital und Natur: Während das Kapital maßlos, prinzipiell „unendlich“ und rein quantitativ, also völlig unempfindlich gegenüber der natürlichen Umwelt ist, zeichnet sich die Natur durch qualitative Umwandlungsprozesse, endliche Vorräte, begrenzte Wachstumsprozesse und empfindliche Ökosysteme aus. Außerdem unterscheiden sich die Zeitlogiken von Kapital und Natur radikal: Während sich das Kapital in immer kürzerer Zeit vermehren will, braucht die Natur Millionen von Jahren, um die den Menschen dienlichen Ressourcen auszubilden und zum Teil lange Perioden, um Störungen ihres Gleichgewichtes auszupendeln.

In der ökonomischen Realität - so Dr. Karathanassis - bilden Naturverbrauch und Kapitalsteigerung eine Einheit. Kapitalvermehrung kommt nicht ohne Stoffverbräuche und Ausstoß von Schadstoffen aus - allen Effizienzsteigerungen zum Trotz und entgegen der Idee vom „grünen Kapitalismus“ bzw. eines „Green New Deal“, in dem Wachstum und Schadstoffaus-stoß angeblich voneinander entkoppelt werden können.

Auf der Basis der naturvergessenen Wachstumsökonomie und der ihr entsprechenden Politik haben sich auch falsche Leitbilder und Verhaltensweisen ausgebildet, erläuterte Dr. Karathanassis. Im Rahmen des durch Massenproduktion ermöglichten Massenkonsums definieren sich die Einzelnen über den Besitz von Konsumgütern. Dieser Leitnorm haben sich auch die abhängig Beschäftigten und ihre Gewerkschaften nicht entziehen wollen. Statt durchgreifender Arbeitszeitverkürzung gaben sie der Steigerung von Löhnen als Mittel zur Teilhabe am Wohlstand und Konsum den Vorrang. Dass dabei der Naturverbrauch angeheizt wird, sei kaum bedacht worden.

So lautete das Fazit des Referenten: Wir können nicht ohne Ökonomie leben und auch nicht ohne Natur. Aber wir können eine Ökonomie ohne Kapital, ohne ständige „In-Wert-Setzung“ von Mensch und Natur einrichten. Hierzu sei eine Abkehr von fossilen Energien ebenso notwendig wie eine Abkehr von der kapitalistischen Maßlosigkeit. Eine Ökonomie ohne Kapital, also eine auf Bedarfsdeckung und Zeitreichtum gerichtete Wirtschaft und Gesellschaft ließe auch völlig andere Kulturmuster zu. Hierfür sei eine allgemeine Arbeitszeitver-kürzung sinnvoll und notwendig. Dann könne aus dem getriebenen „Shoppen“ wieder ein gelassenes und erholsames „Bummeln“ werden.  

Text: Günther Salz, Vors. KAB Engers-Mülhofen

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