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28.06.2021

Offener Brief an die Kanzlerkandidat*innen

Die Allianz für den freien Sonntag hat sich in einem offenen Brief an die Kanzlerkandidat*innen Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz gewandt, um auf die Bewahrung des Sonntags als arbeitsfreiem Wochentag hinzuweisen.

Die "Sonntagallianz", bestehend aus Vertreter*innen aus der katholischen und evangelischen Kirche sowie Ver.di Handel, betrachtet mit Sorge die Bemühungen von verschiedenen Lobby-Gruppen und Arbeitgeberverbänden, diese jahrhundertealte Errungenschaft aufzuweichen bzw. ganz abschaffen zu lassen.

Hier nun der Wortlaut des offenen Briefs:

Berlin, 25. Juni 2021

Sehr geehrte Frau Baerbock, sehr geehrte Herren Laschet und Scholz,

der arbeitsfreie Sonntag hat in unserem Land und darüber hinaus eine lange Tradition. Schon vor genau 1700 Jahren hat der römische Kaiser Konstantin per Edikt die Arbeitsruhe an diesem Tag angeordnet, in der Weimarer Reichsverfassung und als Übernahme daraus im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wurde festgelegt, dass der Sonntag und diestaatlich anerkannten Feiertage „als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebunggesetzlich geschützt“ bleiben.

Als „Allianz für den freien Sonntag“, in der sich ver.di Handel und katholische und evangelische Verbände zusammengeschlossen haben, setzen wir uns für die Bewahrung dieser Errungenschaft ein.

Der arbeitsfreie Sonntag ist mehr als „nur“ ein Ruhetag. Der Sonntag ist der gemeinsame feste Zeitanker unserer Gesellschaft. Der Sonntag bedeutet Ruhe, Familie, Loslassen, Durchatmen und für die nächste Woche Kräfte tanken. Am Sonntag kommt die „Arbeits- und Konsumgesellschaft“ zur Ruhe, die Menschen können gemeinsam freie Zeit miteinander verbringen.

Mit großer Sorge verfolgen wir jedoch die Versuche von Lobbygruppen und Arbeitgeberverbänden, den Schutz des arbeitsfreien Sonntags aufzuweichen und in diesem Punkt das Grundgesetz unseres Landes in Frage zu stellen. So hat der Handelsverband Deutschland (HDE) vor wenigen Tagen eine generelle Öffnung des stationären Einzelhandels an Sonntagen bis Jahresende gefordert und dies mit den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie begründet.

Die Menschen können jedoch jeden Euro nur einmal ausgeben. Die Erfahrung der vergangenen Jahre, in denen die Ladenöffnungszeiten immer weiter ausgedehnt wurden, zeigt, dass durch Sonntagsöffnungen Umsätze lediglich von der Woche auf das Wochenende verschoben werden, wobei zugleich höhere Kosten für das Offenhalten der Geschäfte zu Buche tragen. Auf diese Weise würde lediglich der in der Branche bereits laufende Verdrängungs- und Vernichtungswettbewerb angeheizt, von dem nur wenige große Konzerne profitieren.

Die Forderung des HDE und anderer Organisationen hätte auch für Millionen Beschäftigte und deren Familien im Einzel- und Versandhandel und in der Folge auch im Groß- und Außenhandel schwerwiegende Folgen. Angesichts der in den vergangenen Jahrzehntenimmer weiter ausgedehnten Ausweitung und „Flexibilisierung“ der Ladenöffnungszeiten in die Abend- und Nachtstunden und damit der Beanspruchung der Beschäftigten ist der Sonntag der letzte Tag der Woche, an dem die Beschäftigten darauf vertrauen können, Zeit für sich selbst und ihre Familien zu haben.

Wenn der Sonntag zum Werktag wird, hat das dramatische Auswirkungen auch auf Kultur, Sport, Vereinsleben, Religionsausübung und Freizeitaktivitäten. Denn wenn es keinen gemeinsamen Tag wie den Sonntag mehr gibt, an dem sich die Menschen verabreden und zusammenkommen können, wird die oftmals beklagte Vereinzelung in unserer Gesellschaft weiter zunehmen.

Es ist in unserer Gesellschaft Konsens, dass es Berufe gibt, in denen die Sonntagsruhe nicht einzuhalten ist, weil sie für das Leben, die Sicherheit und den Schutz der Menschen unverzichtbar sind, etwa Pflegerinnen und Pfleger in den Krankenhäusern und der ambulanten Pflege, Angehörige der Rettungsdienste, Feuerwehrleute, Polizistinnen und Polizisten. Zudem gibt es Menschen, die arbeiten müssen, damit von allen anderen der Sonntag als freier Tag gelebt und genossen werden kann. Jede Ausweitung darüber hinaus ist nicht notwendig und wird von uns abgelehnt.

Wir schreiben Ihnen dies, weil Sie von Ihren Parteien als Kanzlerkandidatin und Kanzlerkandidaten aufgestellt wurden und nach der Bundestagswahl im September die Regierung übernehmen möchten. Wir würden uns über Ihre zeitnahe Antwort freuen, wie Sie sich im Falle Ihrer Wahl für die Bewahrung des aus gutem Grund im Grundgesetz geschützten arbeitsfreien Sonntags einsetzen werden.

Mit freundlichen Grüßen im Namen der Allianz für den freien Sonntag

Stefanie Nutzenberger, Mitglied des ver.di-Bundesvorstands
Stefan Eirich, KAB-Bundespräses
Gudrun Nolte, KWA-Vorsitzende
Christian Bindl, Leitung Betriebsseelsorge

Hier der offene Brief zum Download

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