Diese Website benutzt Cookies. Wenn Sie auf "Akzeptieren" klicken, stimmen Sie dem Einsatz von Cookies gemäß unserer Datenschutzerklärung zu.

11.12.2019

Politisches Abendgebet

Das politische Abendgebet der KAB Engers-Mülhofen am 7. Dezember 2019 beschäftigte sich mit dem Thema "Freiheit".

Am zweiten Adventssonntag führte die KAB Engers-Mülhofen zum vierten Mal ihr „Politisches Abendgebet“ in der Kapelle des Heinrich-Hauses Engers durch.

Dieser öffentliche Austausch von persönlichen Gedanken und Erfahrungen im geschützten Kirchenraum schließt ideell an die „Politischen Nachtgebete“ der 1968er Jahre an, die in ökumenischer Gestalt in Köln vor dem Hintergrund des Vietnam-Krieges und des 82. Katholikentages in Essen begannen. 

Seit nunmehr vier Jahren greift die KAB Engers-Mülhofen diesen Faden auf und lädt alle Interessierten - unabhängig von ihrer Konfession - ein, selbst ausgewählte Texte, eigene oder fremde Gedanken, Gedichte oder Bilder zu einem bestimmten Thema einzubringen und diesen gemeinsam nachzuspüren.

So ging es beim diesjährigen Politischen Abendgebet um den Begriff der „Freiheit“. Zum Einstieg wurden einige Passagen aus dem Lied „Freiheit“ von Marius Müller-Westernhagen gen vorgetragen: „Freiheit“, heißt es da, sei „das Einzige, was zählt“.

Dass aber Freiheit nicht alleine für sich stehen kann und sie anfänglich nur für Privilegierte galt, verdeutlichten zwei Teilnehmer durch ihre Kommentare zur Amerikanischen Revolution 1776 und zur Französischen Revolution 1789, die bekanntlich Frauen und Sklaven von den „bürgerlichen Freiheiten“ ausschlossen. So erklärte John Millar, Vertreter der schottischen Aufklärung, mit Blick auf die Amerikanische Revolution: „Es ist eigenartig, dass dieselben Leute, die in geschliffenen Worten von politischer Freiheit sprechen und das Recht auf Steuererhebung für ein unveräußerliches Menschenrecht halten, keine Skrupel haben, einen Großteil ihnen ähnlicher Geschöpfe Bedingungen zu unterwerfen, in denen diese nicht nur allen Eigentums, sondern auch fast aller Rechte beraubt sind.“

Ein weiterer Beitrag erinnerte an die große jüdisch-christliche Freiheitstradition die am Sabbat und am Sonntag gefeiert wird, wobei die Arbeitsruhe mehr als nur eine Unterbrechung der Werktätigkeit ist. Denn das Wort „Ruhe“ (hebr.: m'nucha) drückt das israelitische Ideal von Freiheit, nämlich „gelingendes Leben“ als einer sozial und ökonomisch, politisch und kultisch konfliktfreien Existenz in Einklang mit Gott aus.

Was „Freiheit“ persönlich und im Alltag bedeuten kann, gaben weitere TeilnehmerInnen zu Gehör. Was sie insbesondere für Frauen bedeutet, wurde durch das Gebet „Magnifikat“ von Dorothee Sölle zum Ausdruck gebracht. Abschließend wurde ein Auszug aus dem Buch “Ein Leben für die Freiheit“ von Nelson Mandela vorgelesen, in dem er darauf besteht, dass Befreiung und Freiheit die Herrschenden und die Beherrschten umfassen muss. 

In der anschließenden Aussprache wurden die einzelnen Impulse um persönliche Assoziationen ergänzt und darauf hingewiesen, dass „Freiheit“ als Grundrecht untrennbar mit den Grundwerten Gerechtigkeit und Solidarität verbunden ist. Darüber hinaus wurde die Spannung von persönlicher Meinungsfreiheit und systemischer Unfreiheit thematisiert: Weder die abhängig beschäftigten „ArbeitnehmerInnen“ hätten die Freiheit, über die Art und Weise der Produktion zu bestimmen, noch die Politik den Willen und die Macht, der offenbar unaufhaltsamen Naturzerstörung - trotz aller Klimakonferenzen - Einhalt zu gebieten. Trifft also zu, was Marius Müller-Westernhagen am Ende seines Liedes über die Freiheit singt: „Die Freiheit wurde abbestellt; die Freiheit ist die einzige, die fehlt“?

Bericht: Günther Salz
Foto: Anne Basten

 

 

Inter(+)aktiv

Treten Sie mit uns in Kontakt

mehrweniger

Adresse

KAB Diözesanverband Trier
Weberbach 71
54290 Trier
Tel: +49 651 97085-0
Fax: + 49 651 97085-10
Kontakt

Unterstützen Sie die KAB

Jede Spende hilft!

Unterstützen Sie die Projekte der KAB und stärken Sie die selbständige Vereinigung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.

Mitglied werden

Hier steht der Mensch im Mittelpunkt.

Jetzt informieren