Diese Website benutzt Cookies. Wenn Sie auf "Akzeptieren" klicken, stimmen Sie dem Einsatz von Cookies gemäß unserer Datenschutzerklärung zu.

KAB Trier

Interaktiv
Treten Sie mit uns in Kontakt

24.04.2018

Solidarisch Mensch werden in der einen Welt

Für ein Ende von Ausbeutung und Vertreibung in Afrika - Die KAB Engers-Mülhofen hatte zu einem Seminar eingeladen, um sich über die Ursachen für Flucht und Vertreibung von Menschen aus Afrika informieren zu lassen. Referent war Nico Beckert, Fachpromotor für Rohstoffpolitik am Bildungshaus Wasserburg in Vallendar.

Beinahe 30 Personen aus unterschiedlichen Gruppierungen im Neuwieder Raum sind der Einladung des KAB-Ortsverbandes Engers-Mülhofen gefolgt, um sich über die Ursachen der Vertreibung und Flucht von Menschen aus Afrika zu informieren. Die Veranstaltung war Teil des Projekts „Sehnsucht nach Me(h)er“, welches von der Pfarrgemeinde St. Margaretha Heimbach-Weis-Gladbach initiiert worden war.

Der Referent, Nico Beckert, Fachpromotor für Rohstoffe und Rohstoffpolitik an der Bildungsstätte Haus Wasserburg in Vallendar, stellte zunächst klar, dass 9 von 10 afrikanischen Flüchtlingen innerhalb des Kontinents Schutz suchen, also nur eine Minderheit der Migranten nach Deutschland und Europa kommen.

In einem anschaulichen und informativen Vortrag schilderte Beckert die Lebens- und Arbeitsverhältnisse in Afrika: 84% der Erwerbstätigen arbeiten in informellen, ungeschützten Arbeitsverhältnissen, beispielsweise im Straßen- und Kleinhandel oder als Tagelöhner. Der afrikanische Rohstoffsektor biete wenige Arbeitsplätze, da die Rohstoffvorkommen mit Hilfe großer Maschinen abgebaut würden; für viele Menschen bliebe nur der Kleinbergbau übrig, häufig unter zum Teil lebensgefährlichen Bedingungen. Generell gebe es in Afrika zu wenig Industrie. Von den ausländischen Rohstoffkonzernen, die wir als Verbraucher häufig gar nicht kennen, würden zu wenig Steuern bezahlt. Es mangelt also an Staatseinnahmen, um beispielsweise die Infrastruktur zu verbessern. Zudem hielten Handelsabkommen die afrikanischen Staaten in Abhängigkeit. Die so genannten Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (Englisch: „EPAs“), fordern den Abbau von Zöllen und erschweren es afrikanischen Staaten, durch industriepolitische Maßnahmen eine Wertschöpfung im eigenen Land aufzubauen beispielsweise durch die Weiterverarbeitung von Rohstoffen. Die Handelsabkommen setzen die Interessen der Industrieländer durch.

Wie schon zu Zeiten des Kolonialismus spiele Afrika noch immer die Rolle des Rohstofflieferanten. Dabei werde wenig Rücksicht auf die Natur und die Menschenrechte genommen. Durch Tagebaue ausländischer Firmen komme es mitunter zu Vertreibungen von Einheimischen; im Kobalt-Sektor gibt es Fälle von Kinderarbeit. Dieses Mineral würde hierzulande für den Bau von Akkus für Handys und Elektroautos gebraucht. Doch auch in Computern, Fernsehern, Beleuchtung, Linsen, medizinischen Geräten, Schmuck und Haushaltsgeräten stecken Rohstoffe. Unser Konsum treibe den Rohstoffhunger an. Milizen, Regierungen und bewaffnete Gruppen finanzieren ihren Kampf zudem häufig durch den Zugang und Handel mit Rohstoffen. Das alles sei Mitursache für Flucht und Vertreibung, so Beckert.

Auf der Grundlage dieser Informationsbasis diskutierten die Teilnehmer engagiert über hilfreiche Handlungsmöglichkeiten. Dabei stellten sie fest, dass angesichts der ungleichen Machtverhältnisse zwischen Industrie- und afrikanischen Ländern, aber auch zwischen Großproduzenten und einzelnen Konsumenten, die Veränderungsmöglichkeiten bescheiden sind, beziehungsweise es dicke Bretter zu bohren gelte. So sei es schwer, die potentielle kollektive Konsumentenmacht zu aktivieren. Wichtiger sei es, für politische Veränderungen einzutreten. Herausfordernd sei hier, dass die Bundesregierung bei der Umsetzung der UN-Leitprinzipien zur Einhaltung der Menschenrechte in Lieferketten (UN Leitprinzipien zu Wirtschaft und Menschenrechten) auf eine freiwillige Beteiligung der Unternehmen setzt. Zu allem Übel sperre sich Deutschland auf UN-Ebene einen bindenden Vertrag mit zu verhandeln.

Dennoch, so Beckert, müsse man den Druck auf die Politik erhöhen, damit z.B. die internationalen Wertschöpfungsketten besser auf Menschenrechtsverletzungen hin kontrolliert werden könnten. Außerdem müsste eine höhere Besteuerung der Gewinne der Rohstoffunternehmen erreicht werden. Den Unternehmen, die sich Menschenrechtsverletzungen zu Schulden kommen lassen, müsse man die Gelder entziehen und darauf aufmerksam machen, also „Divestment“ betreiben, forderte Beckert. Die internationalen Gewerkschaften sollten mehr kollektive Strukturen der Gegenmacht aufbauen.

Alles in allem ein sehr interessanter und informativer Abend, der den Teilnehmerinnen und Teilnehmern allerdings auch die Grenzen der Veränderbarkeit der herrschenden Macht- und Bewusstseinsverhältnisse aufzeigte. Da ist es gut, dass die KAB Deutschlands mit dem Krefelder Beschluss „Arbeit.Macht.Sinn“ genau diese Strukturen untersuchen und mit der vereinten Kraft von sozialen Bewegungen auch verändern will.

Text: Günther Salz
April 2018

Den gesamten Bericht des Seminars finden Sie hier zum Download.

Inter(+)aktiv

Treten Sie mit uns in Kontakt

mehrweniger

Adresse

KAB Diözesanverband Trier
Weberbach 71
54290 Trier
Tel: +49 651 97085-0
Fax: + 49 651 97085-10
Kontakt

Unterstützen Sie die KAB

Jede Spende hilft!

Unterstützen Sie die Projekte der KAB und stärken Sie die selbständige Vereinigung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.

Mitglied werden

Hier steht der Mensch im Mittelpunkt.

Jetzt informieren