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KAB Engers-Mülhofen

Steckbrief der KAB Engers-Mülhofen

Name des Ortsverbandes: Engers-Mülhofen

Vorsitzender: Günther Salz
Kassierer: Helmut Gelhardt
Seelsorgerin: Anne Basten

Mitgliederzahl: 15

Aktivitäten:

  • Bildungsangebote zu aktuellen politischen Themen
  • Kapitalismuskritik
  • Teilnahme an Aktionen und Demos
     

 

Besuch der Permakultur in Andernach-Eich

Auf Einladung des KAB-Ortsverbandes Engers-Mülhofen haben sich am 5. Mai zehn Personen in Andernach-Eich über die dort angesiedelte Permakultur informieren lassen.

Karl Werf, Initiator der Permakultur und Leiter des Amtes für Jugend und Soziales Andernach, erklärte der Gruppe ausführlich den Beginn und die Arbeit.

Ganzer Bericht

Einweihung des Gedenksteins für die NS-Opfer in Engers

Am 9. April wurde im Neuwieder Stadtteil Engers ein Gedenkstein für die Nazi-Opfer und Verfolgten aus Engers eingeweiht. Hier der Bericht von Günther Salz, dem Sprecher der Initiativgruppe, die sich für die Errichtung des Steins eingesetzt hat:

Bericht über die Einweihung des Gedenksteins für die Engerser Opfer und Verfolgten der Nazi-Zeit am Samstag, dem 9. April 2022

Es hat lange gedauert, bevor in Engers ein dauerhafter Gedenkort für die Opfer und Verfolgten der NS-Zeit geschaffen werden konnte. Aber am Samstag, dem 9. April 2022 war es soweit: Nach rund dreißig Jahren NS-Recherche und Erinnerungsarbeit wurde auf Initiative einer kleinen überparteilichen und überkonfessionellen Projektgruppe ein Gedenkort für die Engerser Opfer und Verfolgten eingeweiht.

Zu diesem Ereignis waren rund 100 Bürger:innen aus Engers und Umgebung auf dem Kunosteinplatz im Stadtteil Engers erschienen, die vom Sprecher der Gruppe, Günther Salz, herzlich begrüßt wurden. Sodann stellte er die Opfer und Verfolgten vor, die am schwersten unter dem Nazi-Regime gelitten hatten und über die am meisten bekannt ist: Die jüdische Familie Mendel, den Engerser Kommunisten Heinrich Josef Günter und den polnischen Zwangsarbeiter Franciszek Matczak.

Die Familie Moritz und Hedwig Mendel, die mit ihren beiden Kindern Josef und Günter in der Engerser Alleestraße 41 wohnten, ist vollständig im Holocaust umgekommen. Sie wurde deportiert und ermordet. Nur von Josef Mendel, der damals die Israelitische Handwerkerschule in Köln besuchte, weiß man wo das geschah: Sein Todesort war Auschwitz. 

Der Engerser Kommunist Heinrich Josef Günter, der die KPD unterstützte und aus seiner unbeugsamen radikal-kommunistischen Haltung keinen Hehl machte, wurde mehrere Jahre in den Konzentrationslagern Esterwegen und Sachsenhausen festgehalten, wo er Zwangsarbeit leisten musste und gefoltert wurde. Im Herbst 1944 kam er in das KZ-Buchenwald, wo er im April 1945 von den Amerikanern befreit wurde.

Das dritte Opfer, der Pole Franciszek Matczak, fand im Engerser Feld den Tod. Er sollte mit einem jungen deutschen Mädchen geschlechtlich verkehrt und damit „Rassenschande“ begangen haben. Deshalb beantragte die Gestapo Koblenz eine so genannte „Sonderbehandlung“ beim Reichssicherheitshauptamt in Berlin. Danach wurde er am Morgen des 16. August 1941 in einer Kiesgrube in der Nähe des Reiler Pütz erhängt.

Nach der Darstellung der Lebensschicksale der drei bekannten Opfer und Verfolgten benannte Josef Kretzer weitere Engerser, die vom NS-Regime drangsaliert wurden, über die man aber nur Einzelheiten weiß. Z. B. die Geschwister von Moritz Mendel, von denen Franziska Herz mit ihrem Mann im März 1942 von Bendorf-Sayn aus deportiert wurde, den sozialdemokratischen Gemeinderat Christian Mülbach, der zweimal in Schutzhaft kam, den Ehemann von Gretel Matheis, der monatelang im Gefängnis saß, einige Pfadfinder, denen man nachstellte und den widerspenstigen Jakob Pütz, den man für einige Tage ins Koblenzer Gestapo-Gefängnis brachte.

Nach den Schilderungen der Opfer- und Verfolgtenschicksale regte der Engerser Musiker Herbert Schmidt mit mehreren, sanft und behutsam vorgetragenen Stücken auf dem Akkordeon das Nachsinnen und -fühlen der Zuhörer:innen an. So gleitete er von den jüdischen Weisen „Donna Donna“ und „Tumbalalaika“ über zu „Sog nit kejn mol“ des jüdisch-polnischen Widerständlers Hirsch Glik, um am Ende in die ukrainische Nationalhymne überzuleiten. Ein ergreifender Moment für alle Zuhörer:innen.

Anschließend bat Günther Salz den Neuwieder Oberbürgermeister Jan Einig und den Engerser Ortsvorsteher Dieter Neckenig um ihre Worte des Gedenkens.

OB Einig hob in seiner Ansprache die Bedeutung des Gedenkens für alle Nachgeborenen und insbesondere für den Stadtteil Engers hervor. Er zeigte sich beeindruckt vom Engagement der Engerser Initiativgruppe, welches auch gesamtgesellschaftliche Relevanz besitze. Denn Erinnerung sei ein lebendiger Prozess, zu dem auch der Einsatz für Friede, Freiheit und Toleranz gehöre. Denn Friede und Demokratie sei - wie man aktuell sehe - zerbrechlich und müsse durch aktive Bürger:innen mit Leben gefüllt werden. So habe es auch der ehemalige Bundespräsident Gauck gefordert.

Auch Dieter Neckenig lobte das Engagement der Engerser Initiativgruppe und forderte gleichzeitig dazu auf, neue Formen des Erinnerns zu entwickeln. Angesichts von Fremdenfeindlichkeit und wieder erwachendem Antisemitismus müsse die Erinnerungsarbeit auch positiven Einfluss auf die Gegenwart und eine gute Zukunft haben. So wie man mit dem neuen Gedenkort und der Umbenennung in „Kunosteinplatz“ die nationalsozialistische Vorgeschichte hinter sich gelassen habe, so sehr bedürfe es heute der Wachsamkeit und Widerständigkeit gegen antidemokratische Bestrebungen. Mit Blick auf den feindlichen Überfall auf die Ukraine bat Neckenig um ein stilles Gedenken für die Opfer. 

Die danach folgenden Gedenkworte bezogen sich auf die einzelnen genannten Opfer und Verfolgten von Engers.

Mit Blick auf das Judentum und Familie Mendel strich Berthold Langenfeld die jüdische Kultur der Erinnerung als große Errungenschaft für die Welt heraus. Ohne diese hätte man heute nicht zusammen kommen können, um den neuen Gedenkort einzuweihen. Beispielhaft für eine Erinnerungskultur, die aus der Besinnung auf ihre Wurzeln immer wieder neue Kraft schöpft, stellte er das 1942 verfasste Gedicht des jüdischen Religionsphilosophen Schalom Ben-Chorin über die Blüte des Mandelbaums vor, dessen letzte Zeile lautet: „Freunde, dass der Mandelzweig sich in Blüten wiegt, bleibe uns ein Fingerzeig, wie das Leben siegt.“

Mit Bezug auf Heinrich Josef Günter trug Anne Basten Auszüge aus dem „Schwur von Buchenwald“, dem Vermächtnis der kommunistischen Gefangenen vor. In deren Worten wird nicht nur der Schmerz über die Ermordeten und die Wut auf die „Nazibestien“ deutlich, sondern auch der Wunsch nach einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit, nachdem der Nazismus mit seinen Wurzeln beseitigt worden ist.

Unter Bezugnahme auf Franciszek Matczak las Helmut Gelhardt Auszüge aus zwei Briefen des jüngeren Bruders des Getöteten vor, die dieser 1995 an Günther Salz gerichtet hatte. Aus der Erinnerung eines damals (1940/41) Zehnjährigen berichtet er, dass seine Familie wohl in Umrissen vom Tod seines Bruders erfuhr, aber nichts Genaues. Deshalb bedankte er sich für die - leider traurigen - Nachrichten aus Engers.

Manfred Pohlmann beschloss die Reihe der Wortbeiträge mit einem zweiten, eindrucksvollen Lied des jüdischen Dichters Hirsch Glik mit dem Titel: „Schtil, di nacht is ojssgeschternt“. Darin ging es um eine junge Partisanin, die mit einer einzigen Kugel einen Munitionstransport der Nazis zum Stehen brachte. Ein kleiner Triumph über einen übermächtigen Gegner und Ausdruck der Hoffnung auf eine neue freie Generation.

Vor der abschließenden Einsegnung des Gedenksteins sprachen Pfarrer Hartmut Ohlendorf und Dekan Peter Dörrenbächer abwechselnd biblische Texte und Fürbitten, wobei sie auch auf die Gegenwart zu sprechen kamen. Das Undenkbare, der Krieg, sei zurückgekehrt, stellte Pfarrer Ohlendorf fest. Deshalb sei die alte Losung „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg“, gültiger denn je. Auch Dekan Peter Dörrenbächer wies darauf hin, dass Krieg und Gewalt, Hass und Terror nie ganz verschwunden, sondern nur weit entfernt von uns waren. So sei es für uns Heutige geboten, das Gedenken als Widerstand gegen jegliche Form von Gewalt und Unterdrückung zu praktizieren. Auf solchem Tun ruhe Gottes Segen.

So vorbereitet, luden die beiden Pfarrer zur ökumenischen Einweihung des Gedenksteines ein. Gemeinsam baten sie Gott um den Segen für den Gedenkort und die versammelten Menschen mit den Worten: „Wir denken heute besonders an die uns bekannten und die unbekannten Opfer des Nationalsozialismus hier in Engers und in ganz Europa. Ihren Tod wollen wir nie vergessen, Schuld nie verdrängen, Verantwortung niemals von uns weisen.“ Mit einem gemeinsamen „Vater unser“ wurde die Einsegnung beschlossen.

Günther Salz sprach am Ende der Feierstunde allen Teilnehmer:innen und allen, die geholfen hatten, das Projekt zu realisieren, seinen herzlichen Dank aus.

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